Enthralling Golden

        Auch Hunde können an Tetanus erkranken

    Es fing bei unserem  Goldenrüden Parker alles ganz harmlos mit einer Krallenverletzung an. Als Parker  humpelte, stellten wir fest, dass er an einem Zeh eine Krallensplitterung hatte.  Da sein Humpeln auch am nächsten Tag nicht wegging, fuhren wir in die Tierärztliche Klinik in Wiesbaden, in die wir immer gehen, wenn wir tierärztliche Hilfe benötigen. Die Tierärztin knipste den Nagel ab und meinte,  damit müsse er wieder normal laufen können. Zwei Tage später fuhren wir wieder  zur Kontrolle in die Klinik. Das Humpeln war in den zwei Tagen nicht besser  geworden. Es stellte sich heraus, dass sich das Krallenbett entzündet hatte und  der Zeh schmerzhaft angeschwollen war. Parker bekam Antibiotika gespritzt,  Vet-Sept- und Traumeel S-Salbe auf den Zeh und einen Verband um den Fuss. Zwei  Tage später fuhren wir wieder zur Kontrolle in die Klinik. Der Zeh war nicht  wesentlich besser geworden, sondern immer noch angeschwollen und schmerzte.  Parker bekam wieder Antibiotika und die Salben auf die Pfote und wieder einen  Verband um den Fuss. Zwei Tage später fuhren wir wieder in die Klinik. Der Zeh  war abgeschwollen und Parker hatte keine Schmerzen mehr. Er bekam nochmals  Antibiotikum aber keinen Verband mehr. Wir sollten den Fuss nach jedem  Spaziergang in einer antibakteriellen Lösung baden. Wir waren froh, dass die  Pfote wieder in Ordnung war. Als wir nach dem Tierarztbesuch nach Hause kamen,  fiel mir Parker´s seltsamer Blick auf. Wenn er uns anschaute, sah man das Weisse  in seinen Augen. Es kam mir sehr merkwürdig vor. Ich dachte jedoch, das wäre  Einbildung, da ich wegen Parker´s Verletzung zu sensibel wäre. Am nächsten Tag  fielen mir seine hochgezogenen Augenbrauen auf. Sein Blick war einfach nicht  wie immer. Auch schmatzte er sehr stark beim Trinken und die Hälfte ging  daneben. Es lies mir keine Ruhe also fuhr ich am nächsten Tag wieder in die  Tierklinik. Die Tierärztin meinte, es könne eine allergische Reaktion auf das  Antibiotikum sein, ein Virus oder Tetanus. Tetanus käme bei Hunden äusserst  selten vor und sie habe in der Praxis noch keinen Hund gesehen. Sie kenne es  nur aus der Literatur. Parker bekam Penizillin, Antibiotika und ein Pferdeserum  gegen Tetanus gespritzt. Da die Krankheit bei Hunden so selten vorkommt, gibt es  kein spezielles Serum für Hunde. Pferde impft man regelmässig gegen Tetanus, da  es bei ihnen häufiger vorkommt. Die Gefahr bei dem Pferdeserum liegt darin, dass  der Hund auf das Serum eine allergische Reaktion zeigen kann. Aber wir hatten  keine andere Wahl. Entweder das Pferdeserum oder unser Hund stirbt. Zum Glück  hat Parker das Serum sehr gut vertragen. Glücklicherweise behandelt die  Tierklinik auch Pferde, sodass sie das Serum in ausreichender Menge vorrätig  hatten. Die ersten Symptome der Krankheit sind bei Parker ca. eine Woche nach  der Krallenverletzung aufgetreten. Ab dem nächsten Tag fuhren wir morgens und  abends mit Parker in die Tierklinik. Es war besser, wenn er das Serum in zwei  Dosen bekam und nicht die doppelte Dosis auf einmal. Parker´s Zustand  verschlechterte sich rapide.

    Die Verkrampfungen  gingen von der Zunge, die stark geschwollen war, die Schnauze, den Hals, die  Augen, die Ohren, die Stirn, über den Rücken, die Vorder- und Hinterläufe bis  hin zur Rute. Das ganze Gesicht war völlig verkrampft.

     

    Er fing an zu  schielen. Mal nach innen, nach aussen und nach oben.

     

    Seh- und  Riechvermögen waren stark eingeschränkt. Unsere grösste Sorge war, dass die  Verkrampfungen auf die Atmungsorgane und das Herz übergingen. Am nächsten morgen  konnte Parker nicht mehr trinken. Die Schnauze und die Zunge waren so stark  verkrampft, dass er die Zunge nicht mehr zum Trinken rausstrecken konnte.  Fressen konnte er auch nicht mehr. Die Tierärztin hatte uns schon vorher  gesagt, wenn er nicht mehr trinken und fressen könne, müsse er stationär in der  Klinik aufgenommen werden, damit er künstlich ernährt werden kann. Das wollten  wir aber unter allen Umständen vermeiden. Als wir an diesem Morgen in die Klinik  fuhren, dachten wir, wir müssten Parker dortlassen. Er bekam aber erst mal 3  Ampullen Muskelrelaxan zur Entkrampfung gespritzt und wir sollten abwarten, ob  es dadurch besser wurde. Zum Glück konnte er daraufhin wieder selbständig  trinken. Da er nicht alleine fressen konnte, kauen konnte er auch nicht, kochte  ich ihm täglich Hähnchen oder Rindfleisch und fütterte ihn mit mundgerechten  Stücken. Er lutschte die Fleischstücke und schluckte sie hinunter. Appetit  hatte Parker während des gesamten Krankheitsverlaufes, was auch durch die  Medikamente kam, da sie appetitanregend waren. Wir waren sehr froh darüber,  dass er mit so grossem Appetit frass. Parker bekam mehrere Mahlzeiten täglich,  immer wenn er Hunger hatte und soviel er wollte. Er frass zwar nun  ausschliesslich Fleisch, ab und zu mal eine gekochte Möhre, aber das war über  einen kurzen Zeitraum kein Problem. Wichtig war, dass er bei Kräften blieb. Für  seine Genesung brauchte Parker absolute Ruhe. Jede Anstrengung und Aufregung  musste vermieden werden. Parker bekam je nach Bedarf, Beruhigungs- und  Muskelentkrampfungsmittel, die aber leider nicht immer den gewünschten Erfolg  hatten. Sogar Valium bekam er einmal, welches keine Wirkung zeigte. Die  Verkrampfungen waren leider zu stark. Parker ging sehr steif, hatte grosse  Probleme beim Aufstehen und Hinlegen, konnte keine Treppen steigen und nicht ins  Auto rein- oder rausspringen. Mein Nachtlager hatte ich ins Wohnzimmer auf die  Couch verlegt, da er nicht die Treppe in unser Schlafzimmer laufen konnte und  ich ihn nicht allein lassen wollte. Parker wurde sehr geräusch- und  lichtempfindlich. Später bekam er noch einen Nickhautvorfall.

    Eine Woche, nachdem  die ersten Symptome der Krankheit auftraten, konnte er keinen Urin mehr  absetzen, sodass er 2x täglich bei unseren Tierarztbesuchen einen Katheder  gelegt bekam. Sein Zustand blieb über eine Woche unverändert kritisch. Er bekam  weiterhin täglich Penizillin, Antibiotika, das Serum, Muskelentkrampfungs- und  Beruhigungsmittel. Tagsüber schlief Parker viel und war sehr ruhig, aber nachts  fand er einfach keine Ruhe. Auch Valium nutzte nichts. Er wollte ständig in den  Garten, um Urin abzusetzen, was aber leider nicht funktionierte. Aber er  versuchte es immer wieder. Das strengte ihn sehr an und er sollte ja jede  Anstrengung vermeiden. Es war eine schwierige Situation. Er trank immer mehr,  wohl in der Hoffnung, dass es dadurch besser gehen würde, was aber nicht der  Fall war. 14 Tage lang bekam er all die Spritzen und wir wussten nicht, ob er  wieder gesund werden würde. Am 13. Tag nach Ausbruch der Krankheit wedelte er  plötzlich wieder. Ab dem Zeitpunkt ging es täglich bergauf. Als er schliesslich  wieder Urin absetzen konnte, was aber nicht von Anfang an 100 % funktionierte,  sondern langsam immer besser wurde, wussten wir, Parker ist über den Berg. Er  wird wieder gesund werden. Wir waren überglücklich zu sehen, wie bei Parker die  alten Lebensgeister zurückkehrten und er langsam wieder der “Alte”€ wurde. Es hat  ca. 14 weitere Tage gedauert, bis er vollständig wieder der “€Alte”€ war.

    Es war wunderschön  mit anzusehen, wie schnell Parker wieder zu Kräften kam und sich sein Körper  regenerierte. Ein grosser Vorteil den er hatte, war sicherlich sein noch junges  Alter, seine gute Gesundheit und seine gut trainierte Konstitution. Wir lassen  Parker nun gegen Tetanus impfen, damit er diese schwere Krankheit kein zweites  Mal bekommt. Wir werden unseren behandelnden Tierärzten Frau von Rauchhaupt und  Frau Dr. Stern von der Tierärztliche Klinik in Wiesbaden ewig dankbar sein. Sie  haben Parker das Leben gerettet. Hätten sie nicht die richtige Diagnose  gestellt und entsprechend behandelt, hätte Parker keine Überlebenschance  gehabt. Das Problem ist nämlich zusätzlich, dass man Tetanus nicht im Blut  nachweisen kann. Im Internet hatten wir einen Bericht über eine an Tetanus  erkrankte Dalmatinerhündin gefunden, welche die gleichen Symptome wie Parker  hatte. Der Bericht mit den Bildern hat unseren Tierärzten ebenfalls geholfen,  sich sicher zu sein, dass sie die richtige Diagnose gestellt haben. Wir sind  überglücklich, dass Parker die schwere Krankheit gut überstanden hat und  hoffen, dass er noch viele Jahre bei uns sein wird. Er ist schliesslich unser  Sonnenschein!

    Wir hoffen, dass  andere Hundebesitzer, deren Hunde an Tetanus erkranken, schnellstmöglich zum  Tierarzt gehen und dieser die richtige Diagnose stellt. Vielleicht hilft unser  Bericht mit den Bildern dabei, auch diese bei Hunden so selten vorkommende  Krankheit in Betracht zu ziehen. Falls jemand Fragen zu der Krankheit oder dem  Krankheitsverlauf hat, kann er sich gerne mit uns in Verbindung setzen.

    Leider ist unser Parker 2016 mit 13 Jahren, 4 Monaten und 10 Tagen über die Regenbogenbrücke gegangen. Er hatte nie wieder Probleme mit Tetanus.